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Auf der ganzen Welt benötigen Forscher Bohrplattformen, um Meeres- und Seesedimente zu untersuchen. Das Mondseer Unternehmen UWITEC stellt diese Plattformen seit 28 Jahren her.

 

Gründer und Geschäftsführer Richard Niederreiter ist der Mann, auf den renommierte Universitäten und Klimaforscher zählen: Mit neun Mitarbeitern bedient er 1200 Kunden weltweit. „Jegliches Wissen über Klima und Wetter in der Vergangenheit erhält man aus Bohrkernen“, sagt Richard Niederreiter. Der Mondseer liefert mit seiner Firma UWITEC die technischen Voraussetzungen für die Paläolimnologie, also die Wissenschaft, die See- und Moorsedimente auf ihre Entstehung und die klimatischen und menschlichen Einwirkungen untersucht. Natürliche und vom Menschen verursachte Umweltveränderungen und deren Einfluss auf das Leben und das Wirtschaftssystem in einer gewissen Region zu einem bestimmten Zeitpunkt können mit der UWITEC-Technik genau rekonstruiert werden. In Seen, die vulkanisch, tektonisch oder durch Meteoriten entstanden sind, können Sedimente auch viele Hunderttausende Jahre zurückreichen.

 

 

FORSCHUNGSSTATION IN DER ANTARKTIS
Niederreiters Karriere begann am Limnologischen Institut in Mondsee, wo er zehn Jahre lang als Techniker arbeitete. Dann machte er sich selbstständig und gründete die Firma Umwelt- und Wissenschaftstechnik, kurz UWITEC. Was in einem Garagenraum als Einzelunternehmer begann, wurde bald zur großen Sache: Die zerlegbaren Plattformen und Bohrgeräte, die mit Gewichten in den Seeboden gerammt werden, sind seither eine unschlagbare Kombination für die Wissenschaft. Niederreiters schwimmende Bohrplattformen kommen weltweit zum Einsatz: auf dem Mondsee bis hin zu schwer zugänglichen Gebirgsseen, unter dem Eis der Antarktis, in Sibirien oder in Tibet auf Höhen bis zu 4800 Metern. UWITEC-Sedimentbohrgeräte bewerkstelligen bis zu 500 Meter Wassertiefe und Kernlängen bis zu 100 Meter Sedimenttiefe, was weltweit einzigartig ist.

 

 

ENTWICKLUNG UND ERPROBUNG EINES NEUEN SYSTEMS AM MONDSEE
„Im Vorjahr wurde am Mondsee eine neue Bohrmethode getestet, bei der erstmals ein hydraulischer Imlochhammer zum Einsatz kam“, erzählt der gelernte Elektromaschinenbauer. „Dieses System wurde von uns im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft entwickelt und gebaut. Nach vielen Versuchen und Änderungen konnten wir das gesamte Profil bis 64 Meter Sedimenttiefe erbohren.“

Weitere Projekte mit dieser Methode sind in der Schweiz, in einem Fjord in Schweden und in einem See in Tibet auf 4200 Metern Seehöhe geplant. „Als Dienstleistung stellen wir dabei das Fachpersonal.“

 

DER MONDSEE WAR URSPRÜNGLICH 70 METER TIEFER

Im Vorjahr erstellte die Universität Innsbruck mit Hilfe eines Echolots ein Ultraschallbild des Mondsees. Mit diesem Echolot werden Profile kreuz und quer über den See gefahren, und dadurch findet man auch die optimale Stelle zum Bohren. Die Schallwellen dringen tief in das Sediment ein und werden von den verschiedenen Schichten unterschiedlich reflektiert und aufgezeichnet. Die Sonografie lieferte beeindruckende Informationen: „Man sieht, wie der Dachsteingletscher den Mondsee ursprünglich um etwa 70 Meter tiefer ausgegraben hat, als er heute ist, und wie sich Schicht für Schicht über 60 Meter Sediment gebildet haben. Alleine die ersten elf bis zwölf Meter, die in den letzten 10 000 Jahren aus Algen, Pollen und Schwebstoffen entstanden sind, liefern sehr genaue Details über das Klima dieser Zeit“, sagt Niederreiter.

 

 

„KLIMASCHUTZ ERNST NEHMEN!“
Niederreiters Zusammenarbeit mit Klimaforschern hat Spuren hinterlassen. „Klimaschutz sollte jedem am Herzen liegen“, sagt er. „Der Klimawandel ist so eingetreten, wie von der Wissenschaft seit Jahrzehnten vorhergesagt. Wir sind die letzte Generation, die noch etwas dagegen tun kann. Ausschließlich regionale Lebensmittel und Energie kaufen“, lauten seine Vorschläge als Obmann des Vereins Energievision Attergau-Mondseeland. „Wir brauchen Photovoltaikanlagen auf jedem Haus, Elektroautos in den Garagen, und das große Potenzial an Windkraft muss genutzt werden, um die überlebenswichtigen Klimaziele zu erreichen“, sagt Niederreiter. Seine Liebe zur Natur spiegelt sich auch in seiner Obmannfunktion des Mondseer Alpenvereins wider sowie in seinen Hobbys als leidenschaftlicher Bergsteiger und Wanderer. Zeit dafür bleibt nicht viel übrig. Denn der nächste Auftrag wartet schon: eine Bohrung mit der Universität Quebec am Grand Lake in Neufundland.

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